2023

Restaurierung

Ehemaliges Gasthaus «Zum alten Bad»

Ehemaliges Gasthaus «Zum alten Bad»
Fulenbach
Beitragsjahr 2023
Erbauungsjahr 1831
Restaurierung
Das Dach wurde unter Berücksichtigung der bestehenden Konstruktion restauriert. Schadhafte Bereiche wurden repariert bzw. ersetzt, Details wurden denkmalpflegerisch stimmig ausgeführt. Vorgängig wurde zwecks Erarbeitung einer denkmalverträglichen und nachhaltigen Lösung eine Dachwerksuntersuchung mit Schadensanalyse des Dachstuhls und der Dachdeckung vorgenommen.
Kultur- und kunstgeschichtliche Bedeutung

Das seit 1944 unter kantonalem Einzelschutz stehende Gasthaus zum alten Bad liegt ausserhalb des bebauten Gemeindegebiets direkt an der Kantonsstrasse zwischen Fulenbach und Wolfwil. Es handelt sich dabei um ein intaktes Gebäudeensemble, bestehend aus dem südseitig an der Strasse gelegenen Gasthaus mit rückseitigem Annexbau und einem auf der anderen Strassenseite liegenden grossen Bauern- und Oekonomiegebäude. Westseitig fliesst, nahe an den Fassaden gelegen, der kleine Dorfbach vorbei.

Das schön gegliederte rechteckige zweigeschossige Gebäude mit seiner fünfachsig axial befensterten Strassenfassade und seinem schön proportionierten und im Kanton Solothurn eher selten vorkommende Mansarddach mit Lukarnen und alten Biberschwanzziegeln wirkt harmonisch und schön proportioniert und entspricht geradezu exemplarisch dem leicht behäbigen ländlichen Biedermeier.

Die Baugeschichte des Gasthofes begann 1823 mit dem Kauf des Geländes und einiger Vorgängerbauten, u.a. einer Garnbleicherei, durch die Gebrüder Wyss aus Fulenbach. 1826 bauten sie darauf an die rückwärtig gelegene Garnbleicherei das heutige Gebäude und ersuchten die Obrigkeit um das Pintenrecht, welches ihnen jedoch verwehrt wurde. Sie stellten 1830 ein zweites Gesuch, diesmal noch zusätzlich mit öffentlichen Bädern im Annexbau, welches ihnen gewährt wurde. Das Bad-Fulenbach, wie es nun genannt wurde, prosperierte in den folgenden Jahren als Gast- und Badehaus. 1861 wurde der Badebetrieb jedoch eingestellt, dies wegen Auseinandersetzungen um Bade-Konzessionen und Patentgebühren. Die Wirtschaft selber wurde bis 1904 weitergeführt. Dann wurde nur noch Landwirtschaft betrieben. 1960 eröffnete Hermann Wyss den Gasthof unter dem Namen Gasthaus zum alten Bad wieder, welcher über eine lange Zeit hinweg florierte und eine grosse Bekanntheit erlangte. 2018 verkaufte Anna Wyss das gesamte Gebäude und der Gasthausbetrieb wurde aufgegeben.

Um dem geschützten und heute als Wohnhaus genutzten Gebäude auch weiterhin eine Zukunft zu geben, mussten in den letzten Jahren diverse Renovierungs- und Restaurierungsmassnahmen durchgeführt werden: 2021 Restaurierung der Fassadeneckquader, 2022 Restaurierung der Westfassade des Oekonomiegebäudes, 2022 Dachreparatur, 2024 Bauuntersuchung des gesamten Dachstuhles.

Gerade letztere Intervention dient nun als Grundlage für die geplante Sanierung und Restaurierung des Dachstuhls und der Eindeckung des Mansarddaches. Die Schäden wurden genau kartiert und in ihrer Dringlichkeit und Notwendigkeit definiert, so dass nun die Möglichkeit besteht, dieses einzigartige Biedermeier-Mansarddach fachmännisch wieder instand zu stellen und dem Gasthaus zum alten Bad ein Weiterleben zu sichern.

© Text: Urs Bertschinger, 2024
© Fotos: Moritz Schiess, 2026

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