2019

Restaurierung

Skulptur «Der letzte Franziskaner»

Skulptur «Der letzte Franziskaner»
Solothurn
Beitragsjahr 2019
Restaurierung
2019 wurde die Skulptur wieder feierlich eingeweiht und ins richtige Licht gerückt. Die Staue steht jetzt im Franziskanerhof, wo früher das entsprechende Kloster stand.
Kultur- und kunstgeschichtliche Bedeutung

Die Geschichte der Franziskaner in Solothurn ist eine lange: 1223 bestätigte Papst Honorius III den neuen Orden der Franziskaner nach der Regel des Ordensgründers Franz von Assisi. Die Franziskaner gehören zur Gruppe der Bettelorden. König Rudolf von Habsburg gab Solothurn 1280 ein neues Recht, nämlich Neubürger aufnehmen zu dürfen. So stand nichts mehr im Wege, Franziskaner in die Stadt zu holen, damit man zum mächtigen St.Ursen-Stift einen Gegenpol hatte. Am 25. Juli 1280 wurde die Solothurner Niederlassung ins Leben gerufen.

Schon im 19. Jahrhundert hatte die Obrigkeit den Ordensleuten das Leben schwer gemacht. Ende 1857 beschloss der Kantonsrat, alle Wiederbelebungsversuche zum Erhalt des Franziskanerklosters zu annullieren, und er stellte das Vermögen der Barfüsser unter die Verwaltung des Staates. Aus dem Conventsgebäude sollte ein Priesterseminar werden. Dazu Regierungsrat Remo Ankli in seinem Grusswort: «Pater Franz Ludwig hielt sogar eine Predigt zu St. Ursen, in der er nicht nur den Staat und die Regierung sondern auch den Bischof schwer kritisierte. Er meinte: Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube.» Daher habe man «nun etwas gutzumachen», so Ankli weiter.

Damals lebten noch drei Patres im Kloster. 1858 starben Bonaventura Zweili aus Oberdorf und Hieronymus Vogelsang aus Solothurn. Übrig blieb Pater Franz Ludwig Studer, Bürger von Kestenholz. Dieser blieb noch zwei Jahre als einziger Bewohner und hielt die Stellung. Anschliessend fand er noch 15 Jahre lang bis zu seinem Tod eine Unterkunft im Pfarrhaus St. Niklaus. Beigesetzt wurde er in der Franziskanerkirche uns seine Grabplatte liegt an der nordöstlichsten Ecke im Kircheninnern.

Pater Franz Ludwig Studer hatte ein Schicksal, wie es damals sehr oft vorkam. Am 9. März 1804 wurde er in Niedergerlafingen geboren, sein Taufname war Franz Josef. Als Waisenkind hatte er das Glück, von zwei Männern protegiert zu werden: Der eine gab ihm ein Heim, der andere förderte seinen Intellekt. In seinen innigsten Bittbriefen an den Regierungsrat, das Kloster zu erhalten, wies er später stets darauf hin, dass für ihn, das ehemalige Waisenkind, das Franziskanerkloster Mutter und Vater sei.

So konnte er Theologie und Philosophie studieren. 1822 wurde er in Solothurn als Franziskanermönch geweiht und erhielt den Namen Franz Ludwig. 1827 kam es dann zur Priesterweihe in Solothurn. Er bekleidete als Franziskaner keine öffentliche Lehrstelle, hatte aber viele Privatschüler, die er auf das Gymnasium vorbereitete, vor allem in der lateinischen und griechischen Sprache.

Zwischendurch war der Pater auch ein Aussteiger und bewohnte eine Höhle auf der Südseite des Gotthards. Kälte und Einsamkeit und die inständige Bitte seiner Glaubensbrüder brachten ihn wieder zurück nach Solothurn. Eine charismatische Persönlichkeit müsse er gewesen sein, meinte Maya von Gunten –– und am Lebensende sehr einsam. So einsam, wie seit etwa 50 Jahren eine Skulptur «der letzte Franziskaner» im Keller des Conventsgebäudes, der heutigen Staatsanwaltschaft, vor sich hinvegetierte. Unbeachtet, in keinem Führer erwähnt.

 

 

© Text: Solothurner Zeitung vom 17. April 2019
© Fotos: Karin Heimann, 2026

Weitere Projekte

© Paul Feser Stiftung, 2026.