
Sanierung
Alte Spitalkirche
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Solothurn
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2014
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Lage der Hofgruppe
Die Gebäudegruppe des Brühlhofes (weitere Bezeichnungen: Henzihof, oberer Muttenhof) liegt im flachen Landwirtschftsland im Westen der Stadt und ist einer der wenigen noch erhaltenen patrizischen Lehenhöfe mit weitläufigem Landbesitz, wie sie vom 17. Jahrhundert an bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in vielen Aussenquartieren von Solothurn existierten. Erbaut wurde der Brühlhof in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Im 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er in mehreren Etappen erneuert und umgebaut. Die Hof besteht aus dem grossen stattlichen Bauernhaus Nr.5, einem mehrfach erneuerten und erweiterten Wohnstock Nr.3, einem Hühnerhaus Nr.11 und diversen Remisen und Unterständen. Ungefähr 55 Meter südöstlich vom Bauernhaus steht inmitten der Hostet das kleine Lust- und Gartenhäuschen Nr.7.
Beschrieb des Lusthäuschens
Das kleine Gebäude ist einzigartig im Kanton Solothurn. Gebaut ist es in der Tradition der romantisierenden Kleinarchitekturen („Follies“) der gestalteten Parkanlagen des 18. und 19. Jahrhunderts. Es war jedoch nie in eine Gartenanlage eingebunden. Es stand immer isoliert und unerschlossen inmitten der Hostet des Bauernhauses, ebenerdig, nur auf einer leicht erhöhten Sockelplatte stehend, umfriedet mit einem einfachen umlaufenden Holzstaketenzaun. In seiner heutigen Form wurde es im Jahre 1915 vom damaligen Besitzer, dem Fabrikanten und Direktor Franz Henzi, erbaut. Ein Gartenhaus an dieser Stelle bestand aber schon seit dem frühen 19. Jahrhundert. In welchem Ausmass dieses vom neuen Bau übernommen wurde, ist nicht bekannt. Der eingeschossige Kleinbau mit säulengestütztem Portikus und Spitzbogenfenstern mit Kunststeingewänden besticht durch seine klare Architekturgliederung in Form eines gotischen Tempelchens. Dieser starren Gliederung stehen die rustikalen Fassadenoberflächen mit ihren grossen granitenen und verschiedenformatigen und wie zufällig aufgeschichteten Eckquadern sowie Sockelzonen und den rau verputzten, leicht rötlichen Flächen mit eingedrückten kleinen Kieseln und roten Ziegelbruchstücken gegenüber. Zusammen verleihen sie dem Bau einen eigenartig urtümlichen, grottenhaften Charakter. Das Innere ist in zwei Räume unterteilt. Den grossen Hauptraum betritt man durch ein zweiflügliges verglastes Spitzbogenportal. In der Verlängerung gegenüber befindet sich ein schwarzes neuklassizistisches Marmorcheminée, dessen gusseiserne Fondplatte Familienwappen, Initialen des Bauherrn sowie Baudatum trägt. Links und rechts davon führt je eine Tür mit verglastem Oberteil in den hinteren kleineren Nebenraum. Belichtet wird der grosse Hauptraum durch das Eingangsportal sowie durch vier eichene und sprossierte Spitzbogenfenster, welche mit einem profilierten Stuckrahmen umfasst sind. Die vergipsten Wände waren ursprünglich mit einer blauen, von Bordüren geschmückten Motivtapete ausgekleidet. Die Gipsdecke ist mit einem umlaufenden Stuckfries mit repetitivem Blumenfüllhorn und Gesichtern gestaltet, der Boden mit quadratischen Tonplatten belegt. Der hintere kleinere Raum mit zwei Spitzbogenfenstern ist einfacher gestaltet. Die Gipsdecke weist einen umlaufenden einfachen Profilrahmen auf, die Wände waren mit einer gelben Tapete mit feinem repetitivem Muster und Bordüren verkleidet. Die mittlere Längswand ist als dreiteilige Schrankfront ausgebildet, wobei der mittlere grosse Teil im Innern als Schacht für die Montage eines heute nicht mehr erhaltenen Einpersonenliftes (!!) ins abgeschrägte und mit Fastäfer ausgekleidete Dachgeschoss diente. Ob der Lift elektrisch oder mechanisch mit Handbetrieb bedient wurde, ist nicht bekannt. Das Häuschen jedenfalls war von Beginn an das Stromnetz angeschlossen.
Würdigung des Häuschens
Ein Gebäude dieser Art findet man kein zweites, weder im Kanton Solothurn noch in der übrigen Schweiz. Die bekannten ähnlichen Kleinbauten befinden sich grösstenteils als integrierter Teil in Parkanlagen und gestalteten Privatgärten des 19. Jahrhunderts und sind als Gartenpavillons, Tempelchen oder offene Lauben konzipiert. Auch grottenartige Architekturen sind zu finden, jedoch selten im Zusammenhang mit einem Gebäude. Beim Lusthäuschen im Brühlhof werden all diese Arten kombiniert und ergeben eine unverwechselbare Sprache in Form eines neugotischen Tempelchens mit klar strukturierten Architekturelementen, im Gegensatz dazu die rohe ruinen- und grottenartige Mauergestaltung, welche dann aber wieder durch liebliche „Laubsägeli“- Elemente aufgelöst wird. Das Innere ist als voll ausgestatteter Wohnraum konzipiert. Qualitätsvolle Eichenfenster, elektrische Beleuchtung, ein funktionstüchtiges Cheminée, Deckenstuckaturen, tapezierte Wände und Wandschränke laden zum „Wohnen“ ein. Als technische Spielerei des Bauherrn muss auch der wahrscheinlich elektrisch betriebene Einpersonenlift ins Dachgeschoss angesehen werden.
Alles in allem stellt das kleine „Lusthäuschen“ beim Brühlhof in Solothurn eine Einzigartigkeit in der Reihe der bekannten Kleinarchitekturen in der Schweiz dar.